warum koche ich gern, Teil 2

Wie bei „statt Blogparade […]“ beschrieben, „Warum nicht einfach schreiben (bloggen) […]“, habe ich bereits einige Beiträge in diese Richtung veröffentlicht.

Beispiele: Schmerz – eine Herausforderung, Leben mit Schmerzen, Achtsamkeit, Glück, und weitere Beiträge. Meist immer dem „roten Faden“ folgend „ich lebe rund ums kochen“, wie bei Kochkiste aufgeführt. Klar, Rezepte sind eigentlich weniger persönlich bzw. privat, doch hängen damit oft kleine Geschichten zusammen, die ich ab und an auf das Blog veröffentliche.

Ich erwähnte bereits, dass ich die ersten 4 Jahre mit meiner Mutter im Haus der Großeltern wohnte. Das Bahnwärterhaus stand dicht an einem Bahndamm, an dem u.a. Ackerschachtelhalm wuchs. Dieses Kraut wurde gepflückt, um damit die vielen Alu-Kochtöpfe der Familie zu putzen. Angeblich soll man das Kraut auch essen können, wir hatten dies nicht versucht. An den Tee daraus, den meine Oma machte, kann ich mich allerdings noch vage mit Grauen erinnern − denn das durfte ich später bei Besuchen, nachdem wir umgezogen waren, „genießen“. Abgesehen davon, dass weitere Kräuter gesammelt und diese in der Küche verwendet wurden, habe ich selbst später auch einige Zeit Kräuter gesammelt, um diese für verschiedene Dinge zu nutzen, u.a. für Kräuter-Essig, oder –Öle (diese nicht mehr mit Wildkräutern), aber für Quark-Speisen ö.ä.

mein Papa und ich vor dem Kartoffelacker
mein Papa und ich vor dem Kartoffelacker

Vor dem Haus, wo heute u.a. eine Zigarrentfabrik vor Jahren eine riesige Firma errichtet hatte, war zu meiner Zeit (1955-1958, anschließend viele Besuche) alles Acker im Wechselanbau. Wenn ein „Kartoffeljahr“ dran war, wurde zur entsprechenden Jahreszeit Kartoffeln gestoppelt, und es gab Kartoffelfeuer (hab schon immer gern gepösert“ 😉 ). Dazu gab es nur Salz − ein Gedicht − unser damaliges „Fast-Food“. Noch heute mag und esse ich ab und an Pellkartoffeln und Salz.

Was sonst noch im Haus meiner Großeltern alles für Haus und Hof stattfand, ist hier nachzulesen.

Damit nicht der Eindruck ensteht, dass ich meine Kindheit/Jugend glorifiziere: die Küche war karg, meist gab es Eintöpfe. Frühstück und Abendbrot war ausreichend, aber der Zeit entsprechend und durch die Großfamilie mit 12 Köpfen bedingt ebenfalls mehr eintönig.

vor Großeltern-Haus, meine Eltern und ich
vor Großeltern-Haus, meine Eltern und ich

Butter war Luxus, Milch wurde in Kannen vom Milchmann gekauft, Dickmilch wurde selbst angesetzt. Diese war manchmal schimmelig, es wurde aber nichts weggeworfen, der Schimmel wurde einfach weggekratzt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es irgendelche Großeinkäufe gab, das meiste fürs Essen wurde autark hergestellt. U.a. lag es eben auch daran, dass das Verhältnis Stundenlohn zu Kaufprodukten seinerzeit anderes war. Sprich für ein (gekauftes) Brot musste bei einem Monatslohn von 320 DM (ca. 166 Euro) 0,65 DM bezahlt werden. Umgerechnet bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden ein Stundenlohn von ~1,60 DM (Brutto). Also musste für ein Brot rund 3 Stunden gearbeitet werden. Heute sind es gerade etwa 8-10 Minuten. Es lag also auf der Hand, nicht nur Brot selbst zu backen, sondern auch anderes, wie Marmeladen, Zuckersirup usw. herzustellen. Konserven gabs nicht, alles was im Garten vorhanden und möglich war, wurde eingeweckt.

Meine Oma konnte toll backen! Da reichlich eigene Obstbäume vorhanden waren, und in der Nähe eine Apfel-Birnen-Chaussee, wurden immer dann große Bleche Obstkuchen gebacken, wenn die Jahreszeit soweit war. Ich weiß bis heute nicht, wie sie dass mit dem Kohleofen „gebacken bekam“. Butter war wie beschrieben Luxus, so wurde Margarine verwendet, der Kuchen war trotzdem eine Leckerei − das waren meine Schnökereien. Diese gabs erst später: „für 5 Pfennige Brausepulver“…  🙂

Achja − das Haus stand an der Godshorner Straße kurz vor der damals gerade gebauten Autobahn zum Flughafen Hannover-Langenhagen.

meine Sicht als Zitat:

Es geht uns dann am besten, wenn wir die Gegenwart mit der Vergangenheit in Übereinstimmung bringen können bzw. wenn wir das bleiben dürfen, was wir einmal waren (oder gewesen sein wollen) − Hauptsache, wir gewinnen damit psychische Stabilität. (Quelle: „meine glückliche Kindheit„)

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Edit 1.1.2016

zwischenzeitlich habe ich erfahren, wie meine Oma die vielen Bleche gebacken bekam: in der Nähe war ein Bäcker, der die ganzen Bleche verlieh, und die Kuchen gebacken hatte. Die Kinder mussten die vielen Bleche von zu Haus transportieren.

4 Antworten auf „warum koche ich gern, Teil 2“

  1. Da kommen so einige Erinnerungen hoch bei mir. Ich mag aus diesem Grunde z.B. bis heute keine Steckrüben mehr. Es gab einfach zu viel davon. Obst wurde immer eingemacht und somit hätten wir den ganzen Winter über Obst als Nachtisch auf dem Teller. Heute ist das alles nicht mehr möglich, aber ich erinnere mich gerne daran. Es war eine tolle Kindheit.

    1. Was mir (besonders) haften geblieben ist: Deine und meine Eltern hatten nicht viel, aber das wenige hatten wir damals oft gemeinsam beim Mittagessen geteilt… 😉
      Und das ist es, was mir heute so oft auffällt: mehr „ich“ statt „wir“ – zumindest bei etlichen Menschen.

      Das aber mehr als „Vorspeise“ kredenzt – mir gehts ja darum „zuzubereiten“, das mein Leben irgendwie schon immer mit „kochen“ zusammenhing… 😉

  2. Auch mir kommen da Erinnerungen! Die Blechkuchen, Äpfel oder Zwetschgen, Margarine statt Butter, seltene Kartoffelfeuer bei weitläufig Verwandten (wir lebten in der Stadt), Eintöpfe, Honig- und Marmeladebrot…

    Aber sag: zwar hatte ich in Mathe ’ne 5, aber die Rechnung mit dem Brot geht m.E. nicht auf.

    “ Sprich für ein (gekauftes) Brot musste bei einem Monatslohn von 320 DM (ca. 166 Euro) 0,65 DM bezahlt werden. Umgerechnet bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden ein Stundenlohn von ~1,60 DM (Brutto). Also musste für ein Brot rund 3 Stunden gearbeitet werden.“

    65 Pfennig passen mehr als zweimal in 1,60 Stundenlohn. Das mit den 3 Stunden kann also nicht stimmen! Kann mich auch nicht erinnern, dass am Brot gespart wurde – aber am Belag!
    Das ging im elterlichen Haushalt auch immer so weiter, denn nun wurde Geld für Urlaub und Anschaffungen ausgegeben – nicht etwa für eine verbesserte Küche.
    Wobei das „besser“ relativ zu sehen ist: Übergewicht war nicht verbreitet!

    1. Zur Berechnung: stimmt, ich habe alles über den dicken Daumen kalkuliert, genau genommen muss von den 1,60 DM Std.-Lohn Brutto die Steuer runter, also ca. 1,16 DM Netto (bei einem angenommenen kumulierten Steuersatz von 30%). Somit musste also ca. 1,8 Std. gearbeitet werden. Diese Zahl jedoch ist nicht repräsentativ, denn die Stundenlöhne schwankten schon damals stark, woraus ich ein gewichtetes harmonisches Mittel gebildet habe (statistisch)… 😉

      Zudem sollte aufgezeigt werden, wie stark der Unterschied zu heute ist, wo es doch immer heißt: „alles wird teurer“, was per se nicht stimmt, denn es braucht ja immer kürzer für ein Produkt gearbeitet zu werden.

      In Rechnen war ich auch keine Leuchte, da Augen und Kopf in dem Alter immer wo anders waren.

      Urlaub(sreisen) kannten wir überhaupt nicht, wir Kinder haben höchstens Zeltlager, Kuren oder Erholungsfahrten mitgemacht, so zumindest bei uns in der Familie. Aber dazu folgt noch etwas… Eher standen Anschaffungen für 1. Kinder, 2. Wohnung, 3. die Eltern selbst an – genau in dieser Reihenfolge.

      Zum Essen: können sich heute manche nicht vorstellen, dass es einmal die Woche als Sonntagsessen ein kleines Brathähnchen für eine 5-köpfige Famile gab, dafür um so mehr Kartoffeln und Rotkohl, dazu die eingemachten Früchte.

      Neee, an Übergewicht hat keiner „gelitten“… 😀

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