2 Jahre Dronabinol eingenommen

Vor rund 2 Jahren wurde von meiner Kasse nach einigem hin und her Dronabinol als Tropfen gegen meine Fibromyalgie bewilligt. Seitdem tauchen immer wieder verschiedene Fragen von Betroffenen an mich auf (per Mail, im Gespräch…).

Mein Artikel „Meine ersten Erfahrungen mit Dronabinol […]“ hat mit Stand 11.4.2020 mittlerweile 9741 Views − es scheint demnach von Interesse zu sein, Erfahrungen dazu zu lesen.

Da ich mich ungern ständig mit dem Thema befassen möchte, wird dies also mein vorerst letzter Artikel sein. Aus vorgenanntem Grund habe ich mich auch recht schnell aus verschiedenen Facebook-Gruppen, Foren etc. „verabschiedet“. Dieses ständige jammern auf hohem Niveau und dauernde Wiederholungen gehen mir einfach gegen den Strich − abgesehen davon, dass dort i.d.R. keine Informationen ausgetauscht werden, die weiterhelfen könnten.

Wie mein

Aufdosierungsschema

Tag 1-3: 0-0-1
Tag 4-6: 1-0-1
Aufdosierungsschema Tag 1-6
Tag 7-9: 1-0-2
Tag 10-12: 2-0-2, jeweils 0,1 ml (entspricht 2,5 mg TD)

begann. Heute ist mit Absprache meines Neurologen die Dosierung am Limit mit

9-9-9-9

Natürlich wurde meine Dosierung sukzessive erhöht. Und natürlich wirkt Dronabinol fast jeden Tag anders bei mir.

Dazu zwei Artikel der ÄrzteZeitung:
Niedrig dosiert starten und langsam erhöhen!
Cannabinoide sind nicht harmlos

Dronabinol erfolgt zusätzlich zur Einnahme von Novalgin (2-2-2-2) und Lyrica (1-0-0-1).

Weitere Erfahrungen mit Cannabinoid Dronabinol-Tropfen

U.a. wurde ich gefragt, ob sich meine Schmerzen mit der Einnahme von Dronabinol verringert, bzw. zugenommen haben. Nein, das ist nicht so einfach mit ja oder nein zu beantworten.

Es gibt – so nennt es meine Physiotherapeutin – Sternchentage. Also Tage, an denen meine Schmerzen auf der Schmerzskala irgendwo um 3-5 liegen. An anderen Tagen mag ich mich kaum bewegen: Schmerzskala um die 7-9. Nach wie vor kann ich kein festes Muster erkennen.

Kumuliert kann ich das bis heute nicht angeben, da sich mein Schmerz nach wie vor überall unterschiedlich darstellt.

Schmerzbild

Schmerzbild

Dies liegt u.a. daran, dass Schmerz immer individuell wahrgenommen wird, und jeder ein individuelles Schmerzempfinden hat (so jedesmal die Hinweise während meiner Schmerzthearpien).

Da helfen auch keine „gut gemeinten“ Ratschläge wie „mach Gymnastik“. Das wäre so, als wenn ich einem psychisch Kranken sagen würde „reiß dich mal zusammen“. 😉

Schmerzen

Die haben insgesamt in weiteren Bereichen eher zugenommen, bzw sind zusätzlich „gewandert“. Hatte ich vor Jahren ab Füßen (Polyneuropathie) bis etwa zu den Knien Schmerzen, sind die mittlerweile bis zum Po incl. Oberschenkel „gewandert“. Mein Ischias nervt nun an beiden Pobacken, und mein LWS lässt mich manches mal wie Quasimodo durch die Wohnung schleichen.

Um auf „Betriebstemperatur“ zu kommen, brauche ich morgens nach Einnahme meiner Mittel etwa 1-2 Stunden. Davor geht oft nichts, außer meiner „Morgenrunde“ auf meinem Balkon.

Balkonien-Urlaub

Während einer meiner 3-Monats-Gespräche mit meinem Neurologen erwähnte er, dass ich das Tempo bestimmen müsse, und dass alles so ok wäre, wie es bei mir abläuft.

Es empfiehlt sich, dass Schmerzpatienten ebenfalls regelmäßig bei einem Schmerztherapeuten bzw. Neurologen ihrer Wahl vorstellig werden. m.E. insbesonders, wenn angefangen wird, Dronabinol zu nehmen.

Nebenwirkungen Dronabinol (können sein):

Müdigkeit (*sehr häufig)
Schwindel (ab und zu)
Beeinträchtigte Reaktionen (trifft bei voller Wirkung zu)
Mundtrockenheit (trifft zu)
Vorübergehende Pulsbeschleunigung (trifft nicht zu)
Im Stehen vorübergehender Blutdruckabfall (nein)
Gerötete Augen (nichts festgestellt)
Gesteigerte Sinneswahrnehmung (jau, mega)
Durchfall (ab und an)
Stimmungsveränderung (nein, eher durchgängig positiv eingestellt)
Angst (niemals! im Gegenteil)
Quelle: Weltapotheke
*) meine Ergänzungen in Klammern

Hungergefühl

Nach wie vor habe ich ein gesteigertes Hungergefühl. Mittlerweile sind aus bisherigen 68 kg Wohlfühlgewicht knapp 75 kg geworden. Kochen, essen und Ernährung war schon immer mein Ding − deshalb achte ich nach wie vor darauf, dass die Kilos nicht noch mehr werden. Denn nach wie vor gilt „1. habe ich kein Bock, mich mit zweieinhalb Zentnern durch die Gegend zu wälzen; und 2. ist jedes Kilo mehr „Gift“ für meine Arthrose, sowie meine Polyneuropathie.“

Aktivitäten

Die sind mittlerweile selbst durch Einnahme von Dronabinol eingeschränkter geworden, mein Aktionsradius hat sich zudem verkleinert. Einerseits dadurch, dass meine Beine schmerzbedingt nicht mehr so wollen, wie ich es gern hätte; andererseits ist Rad fahren nicht möglich, da nicht verkehrstauglich. Sollte die Coronakrise eines Tages vorbei sein (da lesen ja viele aus der Glaskugel, wann und wie), werde ich wieder regelmäßg schwimmen.

Erfahrungen anderer

In einigen TV-Berichten kam, dass Dronabinol gar nicht vertragen wurde: einfach nur „high und abgedreht“ (so sinngemäß zusammengefasst); andere Cannabis eher rauchen, damit es hilft; bei Twitter wurde erwähnt, dass Dronabinol synthetisch sei, und deshalb Wirkstoffe fehlen würde; und in verschiedenen Foren eben die ganze Bandbreite drüber.

Ergo: jeder sollte selbst versuchen, mit seinem Schmerzthearpeuten oder Neurologen herauszufinden, ob und wie Dronabinol angewendet wird, damit es einen Nutzen hat.

Und zum Thema Cannabis vs. Dronabinol: Ich kann meine Tropfen so gut wie überall einnehmen; eine Tüte überall zu rauchen, ist schier unmöglich. Mir ist der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach.

Würde ich heute vor der Frage stehen, ob ich Dronabinol einnehmen würde, würde ich die mit einem klaren „ja“ beantworten. Mir hilft es. Wie, ist in meinen Artikeln zu lesen. z.B. Mein „neues Leben“ mit Cannabinoid.

Was mir zusätzlich hilft

Ablenkung, z.B. lange kochen, Steinmalerei, Dokus gucken, Videos basteln, spazieren gehen (z.Zt eben mit gebührendem Abstand), schwimmen, mit einer Freundin tagelang über alles mögliche chatten ;-), lesen, ab und an am Blog „rumschrauben“, Balkonkästen pflegen − eben verschiedenen Hobbys nachgehen…

Drogeneinnahme

Der Vollständigkeit halber, an dieser Stelle, was ich so alles im Laufe der Jahre geschluckt hatte (etliches davon „Teufelszeugs“, etliches davon nicht vertragen).

Gelonida 500 mg
Diclorfenbeta 50
Melperon-neuraxpharm 10 mg
Lyrica 100 mg
Pantoprazol-ratiopharm 40 mg
Amitriptylin-pantoprazol 100 mg
Novaminsulfin-ratiopharm 500 mg
Cymbalta 60 mg
Restex 100 mg
Magnesium, 375 mg
Pramipexol 0,088 mg
Fentanyl – 1 A, 25 µg/h
Ibuflam 300 mg
Temgesic, 0,2 mg
Betagalen Salbe, 0,1% Lösung
Dronabinol, ab 4-2018 – in Hüben
Tramadol AL 50 ml Lösung
Tilidin 100 mg/4 mg
Simva Basics 40 mg

Weitere Artikel auf meinem Blog

Sollten sich Leser*Innen für weitere meiner Artikel zum Thema interessieren, bitte eines der #Schlagwörter nutzen: Cannabinoide, Cannabis bzw. Fibromyalgie, Polyneuropathie

Wie alles begann, beschreibe ich im Artikel Schmerz und Fibromyalgie − eine Herausforderung.

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient (wie alle meine Artikel zum Thema) nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose.