was ist Zeit

Ich habe mal an einem Symposium „was ist Zeit?“ teilgenommen. Im großen und ganzen war ich entäuscht, denn auf den Kern wurde wenig eingegangen.

Eines ist jedoch faszinierend bei mir im Gedächtnis haften geblieben: eigentlich gibt es keine Gegenwart, denn in dem Moment, in dem sie stattfindet, ist es schon Vergangenheit. Also gibt es im Grunde doch nur Vergangenheit und Zukunft. D.h. Gegenwart ist nur ein Bruchteil einer Nanosekunde, und so nicht wahrnehmbar.

Zeit ist, was verhindert, dass alles auf einmal passiert“
− John A. Wheelers

Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung. Nach den physikalischen Prinzipien der Thermodynamik kann die Zeit als Zunahme der Entropie, d. h. der Unordnung in einem System, betrachtet werden. Aus einer philosophischen Perspektive beschreibt die Zeit das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend zur Zukunft hinführend. Nach der Relativitätstheorie bildet die Zeit mit dem Raum eine vierdimensionale Raumzeit, in der die Zeit die Rolle einer Dimension einnimmt. Dabei ist der Begriff der Gegenwart nur in einem einzigen Punkt definierbar, während andere Punkte der Raumzeit, die weder in der Vergangenheit noch der Zukunft liegen, als „raumartig getrennt“ von diesem Punkt bezeichnet werden.

Im SI-Einheitensystem ist die Zeit eine Basisgröße, wobei aus diesen Größen andere Größen aufgebaut werden.

Die Bürgerliche Zeit (UT, MEZ usw.) richtet sich annähernd nach dem Sonnenstand und ist durch staatliche Regelungen einheitlich innerhalb einer gewissen Zeitzone.

Zeit

Die markanteste Eigenschaft der Zeit ist der Umstand, dass es stets eine in gewissem Sinne aktuelle und ausgezeichnete Stelle zu geben scheint, die wir die Gegenwart nennen, und die sich unaufhaltsam von der Vergangenheit in Richtung Zukunft zu bewegen scheint. Dieses Phänomen wird auch als das Fließen der Zeit bezeichnet. Dieses Fließen entzieht sich jedoch einer naturwissenschaftlichen Betrachtung, wie im Folgenden dargelegt wird. Auch die Geisteswissenschaften können die Frage nicht eindeutig klären.

Die Wahrnehmung der Zeitdauer hängt davon ab, was in der Zeit passiert. Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint kurz, „vergeht wie im Flug“.

Hingegen dauern ereignisarme Zeiträume manchmal quälend lange. Von dieser Beobachtung leiten sich auch die Begriffe Kurzweil und Langeweile ab.

So ist beispielsweise die Aussage, dass die Zeit fließe, nur dann sinnvoll, wenn eine davon unterscheidbare Alternative denkbar ist. Die naheliegende Alternative der Vorstellung einer stehenden Zeit beispielsweise führt jedoch zu einem Widerspruch, da sie nur aus der Sicht eines Beobachters denkbar ist, für den die Zeit weiterhin verstreicht, sodass der angenommene Stillstand als solcher überhaupt wahrnehmbar ist. Könnte man die Zeit anhalten, für wie lange „stünde“ dann die Zeit?

Das scheinbare Fließen der Zeit wird daher von den meisten Physikern und Philosophen als ein rein subjektives Phänomen oder gar als Illusion angesehen. Man nimmt an, dass es sehr eng mit dem Phänomen des Bewusstseins verknüpft ist, das ebenso wie dieses sich einer physikalischen Beschreibung oder gar Erklärung entzieht und zu den größten Rätseln der Naturwissenschaft und Philosophie zählt.

Damit wäre unsere Erfahrung von Zeit vergleichbar mit den Qualia in der Philosophie des Bewusstseins und hätte folglich mit der Realität ebenso wenig zu tun wie der phänomenale Bewusstseinsinhalt bei der Wahrnehmung der Farbe Blau mit der zugehörigen Wellenlänge des Lichtes.

Hinfällig wäre damit unsere intuitive Vorstellung, es gäbe eine von der eigenen Person unabhängige Instanz nach Art einer kosmischen Uhr, die bestimmt, welchen Zeitpunkt wir alle im Moment gemeinsam erleben, und die damit die Gegenwart zu einem objektiven uns alle verbindenden Jetzt macht.

Zeit schenken

Paradoxerweise empfindet man im Rückblick die Zeiten gerade umgekehrt: In ereignisreichen Zeiten hat man viele Informationen eingespeichert, sodass dieser Zeitraum lange erscheint. Umgekehrt erscheinen ereignisarme Zeiten im Rückblick kurz, da kaum Informationen über sie gespeichert sind.

Zeit

Was ist eigentlich Gleichzeitigkeit? Was ist sofort, später, früher? Was ist, wenn jemand mit annähernder Lichtgeschwindigkeit in einem Raumschiff nach 20 Jahren auf die Erde zurückkehrt, sind dann auch 20 Jahre auf der Erde vergangen?

Laut Einstein ist Zeit das, was ich mit der Uhr messe. Doch bewegt sich eine Uhr relativ zu einer Uhr in einem anderen Bezugssystem, kommt seine spezielle Relativitätstheorie (SRT) ins Spiel − und auf einmal gehen manche Uhren langsamer als andere. Also beantworten sich vorstehende Fragen von selbst.

Black Hole Milkyway

Übrigens können 10 Sekunden für einen Wartenden Passagier sehr kurz erscheinen, für einen Schauspieler auf der Bühne sehr lang, wenn er seinen Text rezitiert.

Zeit ist also relativ − so auch Einstein in seiner speziellen Relativitätstheorie.

Übrigens, der einzige angenommene bekannte Ort, wo es keine Zeit gibt, sind schwarze Löcher.

Mit einem Zeitrechner kannst Du ausrechnen lassen, wieviele Jahre, Tage, Stunden, Minuten und/oder Sekunden du alt bist… Die Homepage ist sehr informativ

Was ist Zeit?

Quelle: Vimeo, Michael Kunze

…nichts für ein schwaches Gemüt