Gelernt habe ich bei C.V. Engelhard & Co. KG von 1971 bis 1974 „von der Pike auf“, habe also mit 16 Jahren angefangen, eine Berufs-Ausbildung zu beginnen.
Der Schriftsetzer oder kurz Setzer war ein Ausbildungsberuf im Druckhandwerk und in der papierverarbeitenden Industrie zur Herstellung und Zusammenstellung bzw. Weiterverarbeitung von druckfĂ€higem Material fĂŒr den Buchdruck. GelĂ€ufig waren auch die Bezeichnungen âHandsetzerâ und, als Gegensatz, der an Maschinen arbeitende âMaschinensetzerâ, wobei beide umgangssprachlich auch âBleisetzerâ genannt wurden.
Winkelhaken, Ahle, Steg, Pinzette
ausgebundener Handsatz
ausgebundener Handsatz auf Setzschiff
Geschichte
Der Schriftsatz ist auf Johannes Gutenberg zurĂŒckzufĂŒhren, der etwa um 1445 den Buchdruck mit wiederverwendbaren Lettern in Europa erfand. Allerdings kannten die Koreaner diese Technik schon etwa 200 Jahre vorher. Sie ersetzte das bisher ĂŒbliche Schreiben und Kopieren von BĂŒchern per Hand. Gutenberg vollbrachte es mittels dieser Technik, eine Bibel, die nach ihm benannte Gutenberg-Bibel, in nur fĂŒnf Jahren fertigzustellen. Dabei gelang es ihm, dass alle Zeilen gleich lang und gleichzeitig alle WortzwischenrĂ€ume gleich groĂ waren, was er mit unterschiedlich breiten Buchstaben erreichte.
Berufsinhalte und Ausbildung in Deutschland
Die Ausbildungsdauer betrug drei bis dreieinhalb Jahre, bei besonderer Begabung konnte schon nach zweieinhalb Jahren die GesellenprĂŒfung abgelegt werden. Der Schriftsetzer konnte nach der Ausbildung sĂ€mtliche notwendigen Schritte ausfĂŒhren, um aus einem angelieferten Manuskript eine fertige Vorlage fĂŒr den Druck herzustellen. Dazu musste er das Manuskript mit Satzanweisungen versehen, einen Entwurf anfertigen und die spĂ€tere Druckform durch das jeweilige technische Satzverfahren herstellen können. Er fĂŒhrte auĂerdem Korrekturen an dem erzeugten Satz durch und zerlegte die Druckform nach dem Druck wieder (Ablegen). GrundsĂ€tzlich musste der Setzer typografische Kenntnisse besitzen, um einen gut lesbaren Satz zu erzeugen.
FĂŒr den Bleisatz wurden als konkrete Inhalte der Ausbildung der Aufbau des Satzsystems und der Umgang mit den Werkzeugen des Arbeitsumfelds wie dem Winkelhaken, der Setzerahle und dem Setzschiff, eine Ăbersicht ĂŒber die Anordnung der Setzregale und die Einteilung der SetzkĂ€sten/Schriftkasten sowie dem Ausschlusskasten behandelt. (Die Maschinensetzer wurden dementsprechend in der Bedienung der jeweiligen Setzmaschine geschult.)
In der Ausbildung wurde nach der ZwischenprĂŒfung am Ende eine AbschlussprĂŒfung, die GesellenprĂŒfung geleistet, welche die Ausbildung beendete. Sie umfasste einen Fertigkeits- und einen Kenntnisteil. Im Fertigkeitsteil wurden FĂ€higkeiten im Setzen von Mengentext und Tabellen, im Korrekturlesen und im Bearbeiten eines Umbruchs abgefragt. Bewertet wurde die Geschwindigkeit. Der Durchschnitt nach einer Stunde Satz lag bei 30 bis 35 Zeilen auf eine Breite von 20 Cicero (1 Cicero = 12 Punkt = 4,513 mm). Bevor bei der PrĂŒfung mit dem Mengentext begonnen wurde, setzte man in einer Zeile das Alphabet so oft ab, bis die Zeilenbreite gefĂŒllt war.
Antiqua-Setzkasten
Die Anzahl der Buchstaben wurde als Berechnungsgrundlage fĂŒr die geschaffte Textmenge genommen. Hinzu kam das Setzen einer Tabelle mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden plus das Entwerfen und Setzen einer so genannten âAkzidenzâ, was mit Familien- oder Kleindrucksache ĂŒbersetzt werden kann (z. B. ein Flugblatt, eine Anzeige, ein Prospekt oder Ă€hnliches).
Nach Ablauf der Zeit wurden mit einer Handpresse, mit deren Handhabung man bereits vertraut war, KorrekturabzĂŒge angefertigt, die zusĂ€tzlich auf Fehler gelesen wurden. Der schriftliche Kenntnisteil bestand aus einem Diktat, Fachkenntnisfragen und Fragen zu Wirtschafts- und Sozialkunde.
Obwohl sich der Beruf des Schriftsetzers im Laufe der Jahre stets den aktuellen Anforderungen anpasste (Ausbildungsinhalt war in den 1990er-Jahren unter anderem bereits die Gestaltung von Web-Seiten), wurden im Rahmen einer Modernisierung der Ausbildungsberufe die Berufe Schriftsetzersetzer/in fĂŒr den Gestaltungsbereich der Industrie, Reprohersteller/in, Werbe- und Medienvorlagenhersteller/in, Reprograf/in und Fotogravurzeichner/in durch § 14 der âVerordnung ĂŒber die Berufsausbildung zum Mediengestalter fĂŒr Digital- und Printmedien zur Mediengestalterin fĂŒr Digital- und Printmedienâ vom 4. Mai 1998 (BGBI. I S. 875 vom 13. Mai 1998) aufgehoben.
Satzcomputer
Der Beruf wurde in EinzelfĂ€llen bis etwa 1980 (in der DDR bis 1990) ausgebildet, jedoch waren ab etwa 1970 mehr die typografischen Inhalte wesentlich, da der Bleisatz hier schon stark im RĂŒckgang war. Nach der Ablösung des Buchdrucks durch den Offsetdruck wechselten viele Setzer zum Fotosatz und spĂ€ter an einen Computer-Arbeitsplatz und zum digitalen Schriftsatz. Der Schriftsetzer ist somit der VorlĂ€ufer des Mediengestalters Digital und Print (Schweiz: Polygraf/in, Ăsterreich: Fachmann/frau fĂŒr Medientechnik). Diese Berufsbezeichnung hat den Schriftsetzer als Ausbildungsberuf abgelöst, einige Buchdrucker geben jedoch spezielle Kurse fĂŒr Grafiker oder Studenten der typografisch orientierten FĂ€cher; auĂerdem existieren einige Museumsdruckereien, in denen Besuchern die Kunst des Schriftsetzens gezeigt wird.
In der Schweiz
In der Schweiz dauerte die Schriftsetzerlehre 4 Jahre. An der LehrabschlussprĂŒfung wurde gemÀà Berufsbildungsreglement von 1949 in folgenden praktischen Arbeiten geprĂŒft: glatter Satz je eine Stunde in Garamond Antiqua und 1 Stunde in Fraktur (Mindestleistung 1450 Buchstaben pro Stunde bei fehlerfreiem Satz, ab ca. 1960 nur noch in Antiqua), Titelsatz, Umbrechen von 8 Seiten mit Eingangs- und Ausgangskolumne sowie FuĂnoten und Einbau von Klischees, Tabellensatz, Akzidenzsatz, Inseratsatz, Korrigieren und Ablegen. Die theoretische PrĂŒfung beinhaltete die mĂŒndliche Abfrage von Berufskenntnissen sowie schriftliche Arbeiten in der ausgeĂŒbten sowie einer zweiten Landessprache.
Schriftgrade
Das gebrĂ€uchliche typografische System geht auf den französischen SchriftgieĂer François Ambroise Didot und seinen Sohn Firmin Didot zurĂŒck. Dieser legte 1780 die kleinste Einheit, den âPunktâ, in seiner Breite nach der damaligen MaĂeinheit, dem âPariser FuĂâ, fest. Der deutsche SchriftgieĂer Hermann Berthold stellte im Jahr 1878 fest, dass dieses System auch auf Millimeter ausging: Das Platin-Urmeter ergab genau 2660 Punkte. Seitdem wurde diese Einheit in allen westeuropĂ€ischen LĂ€ndern gebraucht. Nur die englischen und amerikanischen SchriftgieĂereien verwendeten den Pica-Punkt (Pica-Point), der inzwischen, als Ăbernahme aus den USA, auf digitalen Rechnern verwendet wird (1 Didot-Punkt = 0,375 mm, 1 Pica- oder DTP-Punkt = 0,352 mm).
Persönlichkeiten, die Schriftsetzer lernten
Verleger Heinz Bauer
Politiker BolesĆaw Bierut
Komiker Karl Dall
Politiker Rudolf DreĂler
Politiker Björn Engholm
Komiker Viktor Giacobbo
KĂŒnstler HAP Grieshaber
Politiker Franz Jonas
Politiker Paul Löbe
Schriftsteller Mark Twain
Politiker Philipp Scheidemann
Politiker Wolfgang Thierse
Schriftsteller Heinz Rudolf Unger
Politiker StanisĆaw Wojciechowski
Besichtigungen: Buchdruckmuseum Hannover
in meiner ehemaligen Lehrbude
In meiner Lehrfirma mit ehemaligen Kollegen/Kollegin (rechts rein meine „Setzergasse“, davor mein Meister (mit Schlips))
Frankfurt/Main, Satzcomputer
und Hannover Gautschfeier (Th. SchÀfer)
links: „mein“ Satzcomputer beim „Blitz-Tip“, FF/M; rechts: gautschen bei Th. SchĂ€fer
Schriftsetzer einstmals
Quelle: Vimeo, Peter RomirEdit
Es gibt so einiges, womit „Stifte“ zu Beginn ihrer Lehre in die Irre gefĂŒhrt wurden…Â đ
- Rasterpunkte einkaufen (als Lehrlinge war das so ĂŒblich â wehe, jemand widersetzte sich…)
- BleilÀuse anschauen (kam gut, wenn MÀdels die geschminkt betrachteten)
- Spatienhobel in den Bleikeller schleppen (waren „nett“ verpackte Bleistangen)
Ein schöner Bericht ĂŒber einen anderen „Schwarzen JĂŒngerâ
„meine“ Betriebe
- C.V. Engelhard & Co. KG, Hannover (Akzidenzen, Zeitungen, Linotype, Monotype, Klischeeherstellung), noch Bleisatz, nach Bund (Marine) in den Offsetbereich
- Druckhaus SchlĂŒter, Peine (Zeitungs-/Schichtbetrieb)
- Blitz-Tip, FF/M (damals Deutschlands gröĂtes Anzeigenblatt, Schichtarbeit, Abteilungsleiter)
- Druckhaus Pinkvoss, Hannover (Akzidenzen, BĂŒcher, Zeitschriften) (aus AltersgrĂŒnden aufgehört)
- Druckhaus Benatzky, Hannover (Akzidenzen, Zeitungen, Buchherstellung, Kataloge etc.) (Pleite nach Fusion mit MĂŒnstermann)
- K & W Artservice (ĂŒberwiegend TUI-Kataloge)
- Th. SchĂ€fer, spĂ€ter Primedia (knapp 2 Jahre in Technik, dann knapp 2 Jahre Verkaufsinnendienst, anschlieĂend VerkaufsauĂen- und Innendienst) (Pleite)
Irgendwann begann das groĂe „Druckereisterbenâ. Habe ich nicht mehr miterlebt. Bin dann mit 51 Jahren (Anfang 2006) 26 Monate in Arbeitslosigkeit gegangen, danach „Freiberuflich“ tĂ€tig.
2009 war meine unbefristete Erwerbsminderungs-Rente durch (aufgrund meiner inzwischen eingetretenen Erkrankungen)…
…nach ~40 Jahren Arbeitsleben (vor Lehre wĂ€hrend Schulzeiten u.a. auf Bau gejobbt).













Bin 1977 auch 3 Jahre zur Schriftsetzerin in MĂŒnster ausgebildet worden, bin gegautscht und habe 1985 noch meinen Meister in Industrie und Handwerk gemacht. Ich habe meinen Beruf geliebt!!!
Zu dem Zeitpunkt war die Ausbildung zum Schriftsetzer (im Bleisatz) ja schon in den letzten ZĂŒgen (soweit ich mich erinnere).
Geliebt? Naja, manches mal hab ich ihn schon gehasst, grundsĂ€tzlich aber d’accord đ
Der schmutzigen, staubigen ArbeitsverhĂ€ltnisse manchmal. Musste manchmal im Bleikeller am Bleiofen Blei schmelzen, und Stangen gieĂen. Ewig dreckige Pfoten. DafĂŒr aber eine eingeschworene Gemeinschaft von Kollegen.
Meister hab ich sehr viel spĂ€ter gemacht. Da gabs den „Schriftsetzer“ in der Form schon nicht mehr als Ausbildungsberuf. Waren harte, 4 Berufsbegleitende Jahre, die sich aber letztlich „ausgezahlt“ hatten.
Ja, ich habs von der Pieke auf gelernt, hatte auch mit Linotype, Monotype zu tun, und mehr…
Gegautscht bin ich auch, siehe hier, dort habe ich meine Briefe als Bilderlink verlinkt. Das gehörte eben damals dazu, wenn wir zu den „schwarzen JĂŒngern“ gehören wollten.
Meine Schwester war ebenfalls eines der wenigen MĂ€dels, die den Beruf gelernt hatten.
Das es den Beruf eines Tages mal nicht mehr geben wird, hatte sich ja frĂŒhzeitig gezeigt. Wir haben eben viele Wandel mitgemacht, wie viele andere Berufe auch.