ich sehe was, was Du nicht siehst, oder wieviel Daten gebe ich preis?

Es gibt Zeitgenossen, die Gesundheits-Tracker mögen. Einerseits, weil sie sich wohl chic am Handgelenk machen.

Andererseits, weil gemeint wird, der Gesundheit etwas beizutragen, wenn so ein (teures) Teil getragen wird (Kosten um die 100-200 €).

bigbrother

Es kann so ziemlich alles getrackt werden: wie oft ich aufs Klo gehe (Schrittzähler und Kalorienverbrauch), wie oft ich Fahrstuhl fahre (weil ich schwere Sachen eingekauft habe), wann und warum ich wohin reise (weil ich oft auf Achse bin), usw.

Meist aufgezwungen − oft aber auch recht freiwillig − werden Daten erfasst und gespeichert. Gezwungen z.B. durch die „Elektronische Gesundheitskarte”, freiwillig durch Gesundheitstracker.

Gesundheitstracker

Da kann z.B. laut Beschreibung solches erfasst werden:

  • Anrufer ID + Uhr. Lasse dir auf kompatiblen Mobilgeräten tägliche Statistiken, Uhrzeit und Anrufbenachrichtungen anzeigen
  • PurePulseTM-Herzfrequenz. Kontinuierliche, automatische Überwachung der Herzfrequenz über den Handgelenkspuls und vereinfachte Herzfrequenzzonen
  • Tracke Trainingseinheiten, Herzfrequenz, Strecke, verbrannte Kalorien, Etagen aktive Minuten und Schritte
  • Automatische Schlaferkennung + Alarme. Überwache deinen Schlaf automatisch und lass dich von einem stummen Alarm wecken.

Laut Kundenrezensionen alles ganz easy.

Meine sportlichen Aktivitäten und mein tägliches Laufen zur Arbeit zeichnet es ebenso genau auf und trägt es als aktive Zeit (z.B. Aerobic) in die App ein. Was ich sehr angenehm finde, ist die Erinnerung wenn man seine 250 Schritte pro Stunde noch nicht gelaufen ist. Und wenn sie geschafft sind, bekommt man ein Lob angezeigt. Dies motiviert einen und bringt einem ein Lächeln auf das Gesicht und ein gutes Gefühl. Somit gibt man sich Mühe seine Schritte zu schaffen. Die Erinnerung kann man einstellen, in welchem Zeitraum man erinnert werden soll (z.B. nur unter der Woche von 08:00-18:00 Uhr).

Auch die Schlafaufzeichnung funktioniert sehr gut. Und es ist interessant zu sehen wie sich der Schlaf verhält.

Die App ist auch sehr gut und Bedienerfreundlich gestaltet. In dieser kann man weitere Daten (z.B. Trinkverhalten, Wunschgewicht) eintragen.

Quelle: Amazon™, Beschreibung und Kundenrezensionen

Meist gibt es Apps „kostenlos“ dazu, um die Daten (anonym(?)) zu erfassen − selbstverständlich alles Paßwortgeschützt, und so sicher wie im „Fort Knox“. Die Frage ist, wer hat wohl was zu verschenken? Könnte nicht auch ein Interesse an den Daten vorhanden sein, die alternativ durch Umfragen erfasst, sehr viel Geld kosten würden?

Wenn aus „Spielzeug“ ein „medizinisches Werkzeug“ wird

Fitness-Tracker liefern rund um die Uhr höchst sensible Daten. Justizminister Heiko Maas will die Nutzung per Gesetz begrenzen. Der Digitalverband Bitkom sieht große Chancen für chronisch Kranke.

Quelle: Die Welt, Artikel

Wenn ich (exemplarisch) betrachte, was bisher zur Erfassung und Speicherung verschiedenster, auch sensibler Daten, geschehen ist, bekomme ich schon kalte Füße.

Da  wären z.B. solche Fälle:

Sicher meist wie immer „bedauerliche Einzelfälle“, oder?

Was passiert wohl, natürlich auch alles anonymisiert, mit solchen Daten, wenn sie auf irgendwelchen Servern landen: Schmerztagebuch? Selbstverständlich wird auch hier versichert, dass alles ganz sicher und legitim ablaufen würde. Was aber, wenn Pharmaindustrie und Betreiber solcher „kostenlosen“ Angebote zusammenarbeiten? AGBs können geändert werden, Papier war schon immer geduldig…

Kritisch wird es hier ebenfalls betrachtet, was erfasste Daten angeht: Krankenkassen Mitarbeiter sollen keine Arztbriefe mehr lesen dürfen

Versuch mal, zu erfahren, was alles auf dem eigenem Chip gespeichert ist/wird…  😉

Dabei sinkt laut diesem Artikel die Bereitschaft, seine Daten tracken zu lassen, warum wohl? Ein Sprichwort dazu „Gelegenheit macht Diebe“ 😉

Wenn ich schon beim Tracken bin: es kann auch getrackt werden, was ich wo eingekauft habe, Stichwort RFID-Chip. Warum nach dem Bargeldverbot jeder einen RFID Chip bekommen soll

Dabei wurde vom Europäischen Gerichtshof bereits entschieden:

Am 08. April 2014 erklärte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Richtlinien zur Vorratsdatenspeicherung für ungültig – ein Verstoß gegen die Grundrechte zur Achtung des Privatlebens und zum Schutz personenbezogener Daten lag vor. Doch lediglich die Pflicht zur Gesetzeseinführung wurde somit abgeschafft. Jedem Nationalstaat steht es weiter frei, ein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verfassungskonform zu erlassen.

Quelle: dejure.org, Verbraucherprortal

Ergänzend dazu:

Die Freie Ärzteschaft (FÄ), die sich gegen die eGK ausspricht, nahm das EU-Urteil zum Anlass, erneut den Verzicht auf – so wörtlich – “jegliche Art der elektronischen Massenüberwachung” in Deutschland zu fordern. “Auch die geplante Form der Vorratsdatenspeicherung in der Medizin mithilfe der elektronischen Gesundheitskarte ist unzulässig”, erklärte FÄ-Vizevorsitzende Dr. Silke Lüder. Inwiefern die Bundesregierung nun das EuGH-Urteil und die Forderungen der Kritiker in die weitere Handhabung der elektronischen Gesundheitskarte einfließen lässt, bleibt abzuwarten.

Quelle: Verbraucherprortal

Na dann: happy tracking! :mrgreen:

Achja: ich hab sowas auf meinem iPhone − abgestellt

meine Sicht:
An anderer Stelle wurde darauf hingewiesen, dass ich ja auf das Blog auch etliches zum Gesundheitszustand veröffentliche. Stimmt. Nur da bestimme ich, was veröffentlicht wird, sonst niemand.

4 Antworten auf „ich sehe was, was Du nicht siehst, oder wieviel Daten gebe ich preis?“

  1. Soweit ich weiß, gibt es diese „Fitness-Tracker“ sogar schon „kostenlos“ von einigen Krankenkassen/Versicherungen zur Nutzung „überlassen“ – Natürlich gegen diese Daten, die damit erhoben werden. Vermutlich stört das jetzt doch nicht jeden …

    1. Liebe Su,

      herzlichen Dank für Deinen Kommentar.

      Vermutlich stört es jetzt noch niemanden, weil die Tragweite solcher Erhebungen nicht überblickt werden?
      Wir wissen es nicht…

      Ich wünsche Dir noch ein schönes Wochenende, und herzliche Grüße aus der Norddeutschen Tiefebene

  2. Ich finde es ja witzig, das es Leute motivierend finden, wenn ihn ein Computer sagt, dass sie etwas ganz toll gemacht haben…

    Mir kommt so etwas nicht ins Haus. Ich gebe schon genug über Smertphone und Computer. Facebook und Google preis. Irgendwann muss auch mal schluss sein.

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