Kopfarbeit gegen Fremdenhass

…bisher nahm ich an, dass sich Blogger gegenseitig helfen und sich unterstützen. Gestern hatte ich noch vor, darüber zu berichten, heute aber ist mir das mir nicht mehr wichtig zu erwähnen. Marginale Anmerkung dazu: jemand, dem ich eine Mail zum Thema geschrieben hatte, hat diese fast 1:1 auf seinem Blog veröffentlicht, und mich als angehenden Mobber bezeichnet. Dumm, denn damit hat er sich selbst geschadet. Es gibt wichtigeres…

Lehrte Freibad
Lehrte Freibad

warum Kopfarbeit?

MontagskaffeeSeit geraumer Zeit engagiere ich mich für Flüchtlinge in meiner Stadt. Montags nehme ich am „Montagskaffee“ teil, bei dem sich unterhalten wird, und angestrebt wird, Hilfestellungen in vielen Lebensbereichen zu geben. Wir trinken gemeinsam Kaffee, essen Kuchen, spielen Spiele, planen Ausflüge, u.v.m.

Abends helfe ich bei der Schwimmaufsicht bei den Erwachsenen (die dort oft wie kleine Kinder einfach rumtollen, und ihren Spaß haben). Das Schwimmen für Flüchtlinge findet auch Samstags statt, bei dem ich ebenfalls helfe.

Vorletzten Samstag fand zum ersten mal das Schwimmenlernen für Kinder statt, Sonntags sollte es für die Frauen stattfinden. Die Frauen, meist Muslima, wünschten, das keine männliche Aufsicht anwesend sein sollten. So etwas respektiere ich natürlich.

Macht schon die Aufsicht bei den Erwachsenen Freude, ist sie bei den Kindern fast nicht zu beschreiben. Mir ging das Herz auf, bei so viel Spaß und Lebensübermut bei den Kleinen. Sie kreischten, tollten und quitschten was ihre kleinen Körper gerade noch schafften. Die Eltern waren ganz stolz, wenn erste Schwimmversuche, meist unter Wasser, klappten.

SchwimmaufsichtDarauf Samstags fand das Treffen im Freibad wieder statt. Es hatte sich zwischenzeitlich ergeben, dass das Frauenschwimmen auf Samstags verlegt wurde. Anfängliche „Berührungsängste“, wie vermutet, waren innerhalb kürzester Zeit buchstäblich ins Wasser gefallen. Schon lange hatte ich nicht mehr so herzliches Lachen gehört − es war pure Freude am Leben! Mein kleiner 4-jähriger Freund Mustafa − seine Mama lernt gerade schwimmen − hatte wieder alle mit seinem Schabernack und kleinen Streichen unterhalten. Er ist ein pures Energiebündel und kleiner Sonnenschein!   😆

Dienstags helfe ich bei der PC-Nachhilfe, dort habe ich wissbegierige Menschen kennengelernt, die alles daran setzen, mittels der gesponsorten Laptops deutsch zu lernen. Sie wünschen sich, schnellstens integriert zu sein, einen Beruf zu lernen, bzw. einen Job zu finden. Sie möchten arbeiten, um eigenes Geld zu verdienen. Dazu erarbeiten wir z.B. u.a. Lebensläufe (bei der sich so manches Schicksal heraus kristallisierte), Bewerbungen usw. Pläne für die eigene Wohnung und ggf. eine Familie zu gründen sind bei vielen ebenfalls vorderste Wünsche. Letztgenannte sind übrigens meist kleine, für uns selbst unbedeutende − ein Fahrrad zu besitzen ist Luxus pur.

teilenMittlerweile habe ich auch Möbel und andere Dinge bei einigen Flüchtlingen dank vieler Spenden abgeben und teilen dürfen. Ich war erschrocken, in welch teils schäbigen Wohnungen „gehaust“ werden muss. Vermieter sind hier in der Pflicht, einen Wohnwert herzustellen, denn die Mieten sind sicher gezahlt. Bilder erspare ich den Lesenden.

Die Flüchtlinge teilen auf einigen wenigen Feiern das wenige was sie haben, einfach so.

Kopfarbeit deswegen, weil mich meine Mitmenschen, die so leben müssen, und solches auf ihrer Flucht erleben mussten, bedauern. Sollte man mich als „Gutmensch“ bezeichnen, würde es wie Selterswasser an mir abperlen.

Lehrte engagiert sich mit einigen Projekten, u.a. das DRK, OV Lehrte, Lehrte hilft, Lehrtes Ehrenamtliche, Parteien, Stadt Lehrte, BürgerInnen u.v.m.

meine Sicht:
Ich kann gar nicht anders, als helfen und teilen, weil ich mir sonst selbst nicht mehr im Spiegel ins Gesicht schauen könnte.
Ich frage bei niemandem ‚warum‘, sondern mache einfach − einfach weil es meinem Leben Sinn gibt, und ich so auf der Zielgeraden meines Lebens noch etwas erreichen kann.
Und es macht mir Freude…

Edit 11.4.2016

Nachträglich erfahren, dass ein Bericht im Altkreisblitz über das Schwimmen ein Artikel veröffentlicht hat.

6 Antworten auf „Kopfarbeit gegen Fremdenhass“

  1. Hallo Peter,
    da es bei Weitem ja keine Selbstverständlichkeit mehr ist auch jenen Danke zu sagen, die sich einsetzen für andere. Für die, die helfen und teilen. Jenen, die gerne in den Spiegel gucken wollen. Jenen, die einfach machen und darin einen Sinn sehen. Weil es nicht immer so selbstverständlich ist, möchte ich dir gerne Danke sagen. Danke, dass du ohne zu verurteilen Menschen hilfst, die in einer Notlage sind. Herzlichen Dank und einen lieben Gruß
    Hans

    1. Hallo Hans,

      ehe ich darüber nur blogge, und nichts unternehme (wie vielleicht einige), helfe ich lieber.

      Dein Dank ist angekommen – den „wirklichen“ Dank bekomme ich von ganz anderer Seite, und der findet im Stillen statt, im Herzen.

      HG
      Peter

  2. Wunderschöner Beitrag! Man spürt so richtig die positive Energie. Ich wünschte mir für später, im Ruhestand, ebenfalls eine neue Aufgabe zu finden, die mich so erfüllen mag, wie die Deinige jetzt. Und. Wenn jemand regelmässig sich fragwürdigen Ausdrucksweisen bedient, dann sind normale Verhaltensmuster wohl nicht mehr vorhanden. Jegliche Kommunikation ist zwecklos. Einfach ignorieren und abbrechen. Hinterfragen hat auch keinen Zweck. Einfach hinnehmen und runterspülen ;-). Herzlichst Nora

    1. Danke Nora, es gibt mir Kraft weiterzumachen!

      Mit meiner „Radikalen Akzeptanz“ habe ich ein gutes „Werkzeug“ an der Hand.
      „Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“

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