2. Existenz (virtuell)? Wie ehrlich sollte man im Blog sein?

Natürlich. Es wird doch gelogen. Mehr oder weniger. Allein schon, wenn Tatsachen nicht richtig erkannt werden (können), oder Teilaspekte nicht genannt werden. Denn nur durch Nennung aller Fakten zu einem dazugehörendem Thema entspricht es der Wahrheit, oder? Und wer kennt die schon?

Was ist denn überhaupt „Wahrheit“, „Realitität“, „Wirklichkeit”?

Lügen können auch „Täuschungen“, „Anpassungstrategie“, „Weglassen“ oder ähnliches sein.

Manches mal auch eine „Notlüge“. Mancher lügt, um Trost zu spenden. Ein schlecht gemaltes Bild eines Freundes z.B. als schön zu bezeichnen, um ihn nicht zu verletzen. Einem Totkranken am Krankenbett zu sagen, dass „er nicht mehr lange macht“, kommt nicht so gut, wie „siehst aber schon wieder ganz gut aus“. Und das alles soll bei Bloggern nicht stattfinden?

Um den Faden nicht zu verlieren: wie viele Blogger mögen mit einer „Selbstlüge“ bloggen?

Wenn jemand geschickt täuschen kann, ohne auf Werte und Moral zu achten, sei das womöglich eine evolutionär bedingte Reaktion auf komplexe, soziale Situationen.

Lügen sei eine Anpassungsstrategie, die dem Einzelnen helfe, effektiver mit seiner Umwelt zu interagieren.

So zitiert aus einem Spiegel-Artikel.

Mehr zum Thema beim Webmasterfreitag

Mal ganz ehrlich, ich mach das nicht. Ich lüge nie! 😉

Edit 30.4.2016

Beim Webmeisterfreitag findet erneut etwas zum Thema statt…
Die Macht der Die Macht der (Un-) Wahrheit – wie genau nehmt ihr es?

12 Antworten auf „2. Existenz (virtuell)? Wie ehrlich sollte man im Blog sein?“

  1. Hallo Peter,
    muss mal überlegen, ob ich so weit ginge zu sagen: Ein Fakt fehlt, daher ist es möglicherweise nicht die Wahrheit. Kann ein fehlender Fakt, den Inhalt auf den Kopf stellen? Ja, dann ja.
    Sonst -> schlecht recherchiert. Ich lass noch mal sacken.

    1. „Die Wahrheit hat viele Gesichter“, wie es so schön heißt.

      Wenn wir beide gemeinsam etwas Erlebtes schildern würden, würden sich die Schilderungen zu 100% decken? Keiner hat gelogen, jeder hat „seine Wahrheit“, seine Sicht geschildert. Durch „weglassen“ oder „Übertreibungen“ können unterschiedliche Eindrücke beim Empfänger ankommen.

      Keiner hat gelogen, aber welche Schilderung entspricht der Wahrheit? Oder geht dies nicht doch schon Richtung lügen?

      Siebt nicht jeder bei seinen Schilderungen insofern, das Fakten abgeschwächt, oder weggelassen werden, weil diese dem „Sender“ ggf. nebensächlich erscheinen?

      Was ist „schlecht recherchiert“? Wer sagt, wie genau recherchiert werden müsste, um den Kern, die Wahrheit zu schildern? 😉

      1. Hallo Peter,
        nein, vermutlich würden sich die Schilderungen nicht haargenau decken, obwohl wir beide nach Kräften „das“ wiedergeben werden.

      2. Und nun stell Dir jemand Dritten vor, der unser gleiches gemeinsam Erlebtes geschildert auf das Blog liest… (nur mal angenommen)

        Da unterschiedliche Schilderungen – was wird der Lesende meinen, was wahr (bzw. ehrlich) ist?

  2. Ich hab den Beitrag mit Interesse gelesen. Er ist eine völlig andere Herangehensweise ans Thema als die anderen, die ich gelesen habe.

    Ich selbst würde das im Blogpost beschriebene nicht als Lüge, sondern eher als „mit der Wahrheit spielen“ bezeichnen. Dabei bleibt sich der Schreiben selbst ja treu und ist authentisch.

    Der Ausdruck „seine Wahrheit“ im Kommentar trifft es meiner Meinung nach genau. In meinen Texten stelle ich meine Wahrheit dar. Als Lügen würde ich es erst bezeichnen, wenn ich entweder eine Wahrheit erfinde oder einer anderen (erfundenen) Person meine Wahrheit unterschiebe. Ganz bewusstes täuschen also. Unterschiedliche Wahrnehmung und Wiedergabe von Ereignissen ist für mich noch keine Lüge.

    Ich geb zu, das ist ne recht wage „Grenzlinie“ 😉

    1. Meine Herangehensweise deshalb, weil schnell hehre Ziele geschrieben sind, selten eingehalten werden (können).

      Zur „Grenzlinie“ noch ein bekanntes Beispiel, ohne nun weiter „meine Sicht“ zu vertiefen:
      Das Glas halb gefüllt mit Flüssigkeit – was ist richtig/wahr/gelogen? Halb voll, oder halb leer?

      Nicht umsonst habe ich meinen Blogtitel unterstrichen mit „meine Sicht“ 😉

      Würde mich freuen, wenn meine kontroverse Sicht zum nachdenken angeregt hat… 😀

      1. Na, mein Glas ist fast immer halb voll – und wer was anderes sagt hat nicht recht *lach*

        Ja, ich versteh was Du meinst. Das war ein toller Artikel, denn er hat zu Diskussionen angeregt. So solls ja sein.

      2. Ja, ich bin derzeit (auf deutsch nur) mit ungewöhnlichen Medium-‚Blog‘ unterwegs. Vielen Dank fürs Kommentieren, denn nur so ist mir aufgefallen, dass ich vergessen die ‚Kommentar-Folgen‘-Funktion freizuschalten… Sollte Dich meine Antwort auf Deinen Kommentar interessieren findest Du ihn hier:

      3. Nachdem ich Deine Antwort gelesen habe: mir wäre dies alles zu viel Aufwand. Zudem gibst Du ja zu, dass Du selbst keinen Account anlegen würdest, um zu kommentieren oder lesen.

        Auf meinem Blog halte ich es so, dass so gut wie alles zu lesen ist, bis auf 1-2 Ausnahmen. Diese habe ich der Rechte wegen PW-geschützt. Wird sich aber iwann auch ändern…

        btw: kann es sein, das Du Deine E-Mail-Adresse fehlerhaft eingegeben hast? Ich bekomme Bouncemails, die Deine Adresse beinhalten.

  3. Das Thema „Was ist Wirklichkeit? Was ist Wahrheit“ war die ALLERERSTE „Blogdiskussion“, die ich im Netz veranstaltet habe. Das war 1996, also zu Zeiten der Einwahl per Modem und ohne Flatrates. Es gab auch keine Kommentarfunktion, sondern man schrieb per Mail und die Gastgeberin setzte die Texte händisch in selbst gewähltem „Outfit“ untereinander.

    Das gibt es sogar noch zu besichtigen: Teil 1 und Teil 2.

    Das Missing Link Cyberzine, ein Vorläufer des Digital Diarys, war „optimiert für 800 x 600 Pixel“ – damals die meist verbreitete Bildschirmgröße. Wie man sieht, hat die im Vergleich zu heute schwerfällige Machart dem Niveau nicht geschadet.

    Aber das nur mal so nebenbei… 🙂

    Die Frage hat mich – bezogen auf das persönliche Bloggen – eigentlich nie groß umgetrieben. Es erscheint mir selbstverständlich, dass ich meine Sicht der Dinge mitteile – was denn sonst?

    Grade in diesen frühen Netzjahren wurde viel über Pseudonyme und Kunstfiguren im Web diskutiert, alternative Existenzen, Fakes etc. Etliches davon wurde unter dem Label „Literatur“ verhandelt, anderes als psychologische Spielerei. Jede und jeder machte die Erfahrung, „als jemand anderes“ im Netz aktiv sein zu können. Mir war sehr schnell klar: es ist mühsam genug, als die, die ich bin, „durchzudringen“ – schon gar nicht könnte ich noch glaubhaft eine Zweitperson darstellen. Vor allem: wozu?

    Natürlich stellt kaum jemand freiwillig die eigenen Flops, das unaufgeräumte Zimmer, das misslungene Gericht oder gar ein zwischenmenschliches Versagen ins Netz (es sei dann, man zelebriert „Literatur“). Das aber ist kein Lügen, sondern „sich zusammen reissen“ – man geht ja auch nicht in hässlichen Klamotten aus, obwohl die vielleicht noch im Schrank hängen, tatsächlich einst getragen wurden. Schon gar nicht geht man nackt, obwohl Nacktheit doch die eigentliche menschliche „Wahrheit“ ist.

    Da fällt mir ein, dass es DAS ist, warum wir Privatheit brauchen: um unsere weniger schönen Seiten für uns zu behalten, bzw. selbst zu bestimmen, was wir von uns zeigen. Eine Transparenzpflicht darf es nicht geben!

    Dazu gibts grade einen spitzenmäßigen Film von Mairo Sixtus in der Mediathek:
    Operation Naked – sehr sehr sehenswert und gar nicht langweilig!

    1. Eine „Exkursion“, die mir bekannt vorkommt:

      Profil

      … 😉

      Den „Points“ und „Nodes“ ging es seinerzeit ebenfalls um „Realitäten“, „Wahrheiten“ etc., das allerdings u.a. im FIDO-Net. Da wurde bereits im gesamten Netz gelogen – zumindest „geflunkert“ – zum Nachteil anderer, bzw. den eigenen Vorteil.
      Screenshots hab ich nicht mehr, aber Zeitgenossen aus dieser Zeit, die ich heute noch real kenne, werden das belegen können. Bloggen war damals kein Thema für mich, später eine statische Homepage als „Visitenkarte“. Trotzdem: „das Netz vergisst nichts“: https://groups.google.com/forum/#!topic/fido.ger.mailbox/C4CMIaBilOg 😉

      Da es im FIDO-Net – zumindest bei unserem Node – schon reale Treffen gab, war es schlecht drum bestellt, als AKA oder unter einem Pseydonym zu agieren/trollen. Insgesamt betrachtet, hat sich IMHO nichts wesentlich geändert.

      …auch nur so nebenbei… 😀

      Mir ging es bei meinem kontroversem Beitrag darum zu zeigen, dass „nicht alles Gold ist, was glänzt“ So zumindest kamen mir einige der Beiträge zum „Webmasterfreitag“ vor.

      Warum nicht die „eigenen Flops“ ins Netz stellen? Entspricht doch der Wahrheit, dass ich manchmal schusselig oder vergeßlich bin 😉

      Kaffee mit Satz

      bzw.

      Humor ist

      Natürlich werde ich das nicht als „24.-Std.-online-zur-Nackend-Show“-Blogger thematisieren. Aber es sind Teil meiner Wahrheiten… 😉

      Es gibt Grenzen, auch was die Wahrheit angeht 😉
      Das was ich auf das Blog veröffentliche, würde ich jederzeit auch vis a vis schildern.

      Ach ja:

      Die Frage hat mich – bezogen auf das persönliche Bloggen – eigentlich nie groß umgetrieben. Es erscheint mir selbstverständlich, dass ich meine Sicht der Dinge mitteile – was denn sonst?

      Durch (stetiges) einstreuen von Zitaten und Statistiken kann schon der Eindruck entstehen, dass die „eigene Wahrheit“ untermauet werden soll, oder?

      Im übrigen kann ich ganz gut damit leben, wenn geschrieben wird: „meine Sicht“. Wenn „meine Wahrheit“ geschrieben wird, bekomme ich meist Bauchgrummeln. Vlt. sinds aber auch nur die Begriffe, die mich stören…

  4. …mal (in eigener Sache) zum Thema: da werden Kommentare von mir wo anders einfach unter Androhung einer Löschung abgewürgt – andere harmlose kommentarlos gelöscht. Warum eigentlich? Dazu ein lesenswerter Artikel: http://www.freizeitcafe.info/2-existenz-virtuell-wie-ehrlich-sollte-man-im-blog-sein/ Stichwort „Vogelperspektive“ 😉

    Und das, obwohl in einem Artikel die „Meinungsfreiheit“ wie sonst was hochgejubelt wurde.

    Zudem wurde sich erst vor kurzem lang und breit beim Webmasterfreitag darüber ausgelassen, wie „ehrlich“ es auf das Blog zugehen soll.

    Ich liege also richtig mit „meiner Sicht“… 😉

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